KI im Vertrieb: Wie KI den Verkäufer neu erfindet

Der Podcast

Manuela Machner kenne ich seid unserem KI:Kompass Vol#1 zum Thema „KI und Tourismus“. Als KI und Tourismus Expertin war sie damals mit uns auf der Bühne und hat mit viel Leidenschaft und Erfahrung aus ihrer Welt des Tourismus gesprochen – und wie Künstliche Intelligenz diese Welt massiv verändert und transformiert. 

 Diesmal kam die Einladung von der anderen Seite – im Mind/Machine Podcast von Manuela Machner und Eliot Mannoia haben wir uns in den 47 kurzweiligen Minuten mit Kern-Fragen aus der Welt des Vertriebs und der vertriebsdigitalisierung auseinander gesetzt

Ich durfte aus meiner Perspektive als Informatiker, Kampfsportler und Vertriebsexperte plaudern. Trotz aller Hyper-Digitalisierung sehe ich die neuen Technologien nicht als Ersatz für Verkäufer:innen, sondern als Hebel für das, was Verkäufer:innen im Kern tun müssen, nämlich Beziehungen und Vertrauen aufbauen und damit erfolgreich verkaufen.

Nachfolgend die Antworten zu einigen Schlüssel-Fragen für euch zusammengefasst:

Wie verändert KI den Sales-Funnel und wo bringt sie den größten Hebel?

KI verändert den Sales-Funnel vor allem an der Spitze: Alles, was sich im Top of Funnel automatisieren lässt, zieht den größten Hebel, weil dort die Masse anfällt. Lead-Identifikation und Lead-Generierung sind das heißeste Eisen, dicht gefolgt vom Erkennen von Kaufsignalen, die versteckt da draußen liegen, aber digital abgreifbar sind. Über Lead Scoring wird bewertet, wer wahrscheinlich kaufbereit ist, und der Lead dahinter automatisch mit allem angereichert, was digital verfügbar ist – je mehr ich über eine Person weiß, umso höher die Erfolgswahrscheinlichkeit. Im Idealfall kommen so nur mehr hochgradig kaufbereite Kunden beim Vertrieb an. 

Weiter hinten im Funnel nimmt KI die ungeliebte Dateneingabe ab, liefert aus dem Verkaufsgespräch Summary, To-dos, Entscheidungen und Follow-up direkt ins CRM und analysiert die Gesprächsqualität wie ein professioneller Sales-Coach.

KI lässt sich heute direkt ins Verkaufsgespräch mitnehmen – bei Video Calls ist das längst Standard geworden. Sie liefert dabei nicht nur ein Transkript, sondern ein sauberes Summary, die To-dos, die getroffenen Entscheidungen und ein bereits formuliertes Follow-up, das sich direkt ins CRM-System einspielen lässt.

Der eigentliche Coaching-Teil kommt danach: Die KI analysiert die Qualität des gesamten Verkaufsgesprächs wie ein professioneller Sales-Coach und sagt dir, wie hoch dein Redeanteil war, wie deine Gesprächsgeschwindigkeit war, wie viele Fragen du gestellt hast und wo genau deine Verbesserungspotenziale  im Vergleich zu Top-Sellern liegen. 

Das ist ein Service, für den man normalerweise professionelle Sales-Coaches teuer zahlen muss.

Agentic Commerce beschreibt eine Welt, in der KI-Agenten eigenständig einkaufen – für uns, ohne dass wir aktiv eingreifen. Darin sieht der Markt aktuell ein Billionenpotenzial, aber es wirft auch die fundamentale Frage auf: Was bleibt vom Vertrieb, wenn nicht mehr der Mensch kauft?

Meine Antwort dazu: 
Die Beziehung, das Erlebnis und die Verantwortung bleiben beim Menschen. Und die Maschine braucht einen Orchestrator, der ihr erklärt, was die Bedürfnisse der Menschen wirklich sind. Und ich glaube nicht, dass alles Maschine wird – solange wir Menschen existieren, wollen wir auch das Erlebnis des Einkaufens.

Weil Verantwortung bis dato nicht digitalisiert wurde. Nur etwas mit Bewusstsein kann haftbar sein – und das sind wir. Damit bleiben wir die Orchestratoren der Agentenarmeen, der „Human in the Loop“ im KI-Sprech. 

Aber Achtung: Wenn wir ständig nur nicken und durchwinken, verlieren wir die Fähigkeit, KI-Entscheidungen überhaupt noch einzuschätzen. Diese Kompetenz muss aktiv erhalten werden.

In den über dreißig Jahren Training und Studium lernt man: 

Das Höchste in der Kampfkunst ist nicht der Sieg über den anderen, sondern der Sieg über sich selbst.

Im Vertrieb muss man oft über den eigenen Schatten springen, mit Nein umgehen lernen und immer wieder aufstehen. 

„Schmerz“ als physische und psychische Anstrengung verstanden ist der notwenige Impuls für Transformation – das gilt in der Kampfkunst genauso wie in der KI-Transformation von Unternehmen.

8 konkrete Tipps für KI im Vertrieb

Der Vertrieb war eine der letzten Bastionen, die tatsächlich in die Digitalisierung hineingegangen sind – in der Produktion ist sie längst Alltag. Jetzt ist sie auch im Verkauf angekommen, und mit KI als Game-Changer-Technologie öffnen sich Bereiche, die vorher nicht möglich waren. Die folgenden acht Tipps zeigen, wo KI im Vertriebsprozess den größten Hebel hat – und warum der Mensch als Orchestrator unverzichtbar bleibt.

1 · Automatisiere zuerst dort, wo die Masse anfällt

Im Vertriebssprech reden wir vom Verkaufstrichter oder Sales Funnel. Alles, was sich im Top of Funnel automatisieren lässt, zieht den größten Hebel, denn genau dort haben wir die Masse. 

Lead-Identifikation und Lead-Generierung sind das heißeste Eisen, dicht gefolgt vom Erkennen von Kaufsignalen: Diese Sales-Intent-Signale liegen versteckt da draußen, sind aber digital abgreifbar. 

Über Lead Scoring bewerten wir, welcher Lead wahrscheinlich kaufbereit ist und welcher noch nicht, und reichern ihn dahinter automatisch mit Zusatzinformationen an. Mit KI lässt sich alles analysieren, was digital verfügbar ist – was tut sich im Unternehmen, was tut sich personell. Je mehr ich über eine Person weiß, umso höher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit. 

Im Idealfall kommen so nur mehr hochgradig kaufbereite Kunden beim Vertrieb an.

2 · Übe Verkaufsgespräche mit KI, bevor du echte Kunden triffst

Ein Custom GPT lässt sich so zusammenstellen, dass es als Sparringspartner für Verkaufsgespräche dient. In der Theorie wissen wir alle recht gut, wie so ein Gespräch funktioniert soll – bis wir in der Stresssituation stehen. Dann rufst du das nicht so ab, wie du es dir vorher gedacht hast. 

Du musst es automatisiert haben, also oft genug geübt haben. 

Genau dafür ist KI ein niederschwelliger Trainingspartner, der jederzeit zur Verfügung steht!

3 · Lass KI dein CRM pflegen, nicht dich

Warum tut sich der Vertrieb so schwer mit der Digitalisierung? Weil Verkäuferinnen und Verkäufer es hassen, alle Daten einzugeben. 

Genau hier setzt KI an: Wir können sie direkt in Verkaufsgespräche mit hineinnehmen, bei Video Calls ist das längst Standard geworden. Die KI liefert dabei nicht nur ein Transkript, sondern ein sauberes Summary, die To-dos, die getroffenen Entscheidungen und ein bereits formuliertes Follow-up. 

All diese Daten lassen sich direkt ins CRM-System einspielen, statt sie mühsam von Hand nachzupflegen.

4 · Nutze KI als Gesprächscoach

Das Beste an KI im Verkaufsgespräch: Sie analysiert die Qualität des gesamten Gesprächs wie ein professioneller Sales-Coach. 

Sie sagt dir, wie hoch dein Redeanteil war, wie deine Gesprächsgeschwindigkeit war, wie viele Fragen du gestellt hast und wo genau deine Verbesserungspotenziale liegen. Es braucht dafür die richtige Argumentation, weil das immer ein wenig den Beigeschmack von Kontrolle hat – aber Sales Coaching ist ohnehin eine Art Kontrolle. Es ist wie ein Trainer, der sich anschaut, wo du stehst, und daraus ein Trainingsprogramm ableitet. 

Auch EPUs können das für sich nutzen, um zu sehen, wie sie im Vergleich zum Branchen-Standard unterwegs sind. Wir wollen ja schnell lernen – KI hilft, diese Lernsprünge schneller zu machen.

5 · Bau bewusst Vertrauen auf

Vertrauen ist nach wie vor das höchste Gut und bleibt die harte Währung im Verkauf. 

Kunden kommen heute hochinformiert in den Kaufprozess, oft sind sie besser informiert als die Verkäufer selbst. Das verschiebt die Verkäuferrolle klar in Richtung Beraterrolle: Heute gehört viel mehr dazu, als nur die Preisliste zu kennen. 

Je mehr Automatisierung übernimmt, desto stärker wird dieser Punkt: Wenn sechzig bis achtzig Prozent der Vertriebsarbeit von KI erledigt werden, können wir plötzlich zu hundert Prozent im Verkauf, also direkt am Menschen sein. Wenn alles automatisiert ist, bleibt wirklich nur mehr die Beziehung – und die war im Vertrieb ohnehin immer das Wichtigste.

6 · Denk GEO mit, nicht nur SEO

Unser Suchverhalten im Internet hat sich fundamental verändert – die Recherche mit KI ist die neue Internetsuche! Das bedeutet, dass Inhalte so aufbereitet werden müssen, dass KI-Systeme sie lesen, verstehen und in ihren Antworten korrekt wiedergeben können. 

7 · Bleib Orchestrator, nicht nur Zuseher

Wir werden in Zukunft die Orchestratoren dieser Agentenarmeen – neudeutsch: „Human in the Loop“. Das macht uns zu Überwachern, die in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen und einzuschätzen, was die KI da eigentlich tut. Die Verantwortung liegt weiterhin bei uns, und genau das ist die große Bremse für die Vollautomatisierung. Wenn wir uns die Ergebnisse allerdings nur ansehen und sagen „Scheint eh zu passen, schickt weiter“, laufen wir Gefahr, unser Gehirn zu wenig einzuschalten. 

Irgendwann können wir Dinge dann vielleicht nicht mehr einschätzen. Das scheint ein dystopischer Zugang – aber wer sich dessen bewusst ist, kann bewusst gegenwirken. Daher prüfe KI-Empfehlungen immer kritisch, bevor du sie durchwinkst. Wer nur noch abnickt, verliert mit der Zeit die Fähigkeit, selbst fundiert zu urteilen.

8 · Fang klein an

Für junge Unternehmen und Start-ups gibt es derzeit extrem hochspannende Entwicklungen: Sie können „AI First“ starten und KI von vorneweg in alle ihre Prozesse hineinschreiben. 

Große Unternehmen tun sich damit noch schwer. Ein Beispiel aus Amerika zeigt, was möglich ist: Medvi hat als Ein-Personen-Unternehmen Unicorn-Status mit einer Milliarden-Bewertung erreicht – mit Telemedizin für Abnehmpräparate und dabei wurden alle Prozesse mit KI-Automatisierung gebaut. 

Für KMUs gilt: Der schrittweise Einstieg ist immer möglich. Das zwar ein Zug, der schon längst fährt – aber man kann auch auf einen fahrenden Zug aufspringen. Jedes Unternehmen hat noch seine Chancen.

Ein einzelner Anwendungsfall reicht dabei als Startpunkt. Weder Start-ups noch KMUs müssen alles auf einmal umbauen.

Mind Machine Folge 122 mit Bernd Buchegger

Der Mind Machine Podcast

Manuela Machner und Eliot Mannoia sprechen über KI im Tourismus, Change Management, KI-Agenten, emotionaler Intelligenz und der Zukunft der Arbeit.

In der Folge #122 unterhalten wir uns über KI im Vertrieb, warum Vertrauen die härteste Währung im Vertrieb bleibt, wie KI den Sales-Funnel von oben nach unten transformiert und was Kampfkunst mit Resilienz im Verkauf zu tun hat.

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Audio

Podcast erstellt von Mind/Machine Manuela Machner und Eliot Mannoia.

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Fotocredit: Manuela Machner

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